7.7 IVI Sommerfest

Programm:
13:00 Brunch
14:00 Vorträge
16:30 Konzerte
17:00 Cafe mit Kino
Abends ausschweifende Fete
Aufruf zum IVI Sommerfest
Täglich leiden wir unter den Zumutungen die uns eine auf kapitalistischer Logik basierende (politische) Ökonomie aufzwingt. Alle bisherigen Versuche, aus diesen Auszubrechen scheinen erfolglos, führten nur zu Transformationen des bestehenden Falschen und zu dessen weiteren Entwicklung. Rebellentum und Widerständigkeit sind längst integriert als kulturelle Waren, notwendig für ‚ radical chic‘.  Ohnmächtig blicken wir auf einen Trümmerhaufen zurück, den wir Geschichte nennen. Doch anstatt dass sich etwas daran ändert, oder ‚der kommende Aufstand‘ auch nur absehbar wäre, macht die Menschheit trotz aller Erschütterungen weiter mit dem Alttag wie bisher.
Stetig stampft die Jazzmaschine und so
setzt sich der Rhythmus der politischen Ökonomie fort,
integriert jede Störung seiner Logik.
Ein Entkommen scheint unmöglich.
Doch wir haben diese Scheisse schon zu oft erlebt;
da sie leider nicht in 6 Bücher zerfallen wollte.
„And the beat goes on…“
Es gibt keinen Ausweg um den täglichen Zumutungen zu entfliehen.
Ganze Städte werden nach der Logik des Kapitals restrukturiert.
Nein, wir sind nicht gegen Sanierung, wir sind auch nicht gegen  Stadtteilaufwertung.
Wir wollen auch einen Park und saubere Luft und  verkehrberuhigte Zonen – und  wir wollen auch dort wohnen, wo es schön  ist. Und genau das ist der  Punkt: sobald es schön ist, müssen wir  gehen. Denn dann können wir uns die Gegend nicht mehr leisten, und den  Bäcker um die Ecke und den klimatisierten Supermarkt. Wohnraum ist für viele gesellschaftliche Gruppen bereits unbezahlbar, trotz allem steigen die Mieten weiter bis ins Unermessliche. Wer diese nicht zahlen kann ist  dazu gezwungen in Randbezirke der Stadt umzuziehen. Öffentliche Räume, die kollektiv genutzt werden könnten sind kaum  existent und werden längst videoüberwacht. Orte, wie das Institut für vergleichende Irrelevanz (I), für ein anderes Leben & andere Kultur werden dicht  gemacht.
Klingt komisch, schmeckt bitter, ist aber so.
Nach und nach wird das gesamte Leben durchdrungen; dem Markt zugeführt.
The system works, ‚cause we work!
Protest dagegen verkommt zur Farce und dient im letzten Ende häufig nur noch als unterhaltsames Spektakel, wird integriert, wie die einst sich als autonom verstehende Kunst.1
Angepasst ans Mittelmaß ist keine Abweichung von den Normen mehr erlaubt.
Subkulturen erscheinen in dieser Zeit als nicht viel mehr als ein Distinktionsmittel.2
Subversion und Affirmation sind gescheitert und was bleibt ist ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber einer als übermächtig erscheinenden kollektiven Illusion.
Eingebrannt in unser Bewusstsein, straft das Sein Träume zu Zerrbildern der Realität herab.
Die Zukunft ist mit der Utopie vernebelt und verschwunden,
die Vergangenheit wird in Deutschland schon seit langem abgehakt und für Tod erklärt…
…und die Gegenwart, ist nicht mehr als ein Zombie,
in schlechter Gleichheit wiederholt sich jeder Tag,
unendliche Monotonie, ein tägliches Sterben.
Was uns zu bleiben schien war die absolute Verweigerung,
der vorübergehende Ausbruch aus dem Alltag.
Die Party als erlebte Kunst. Das andere Subjekt als Alterität.
Der Mensch gegenüber als Spiegel deiner selbst.
(Er-)Lebte Heterotopia als Ausweg und…
…das „Nein!“ als Lebensweise.
Gescheitert!
Und jetzt?
„Licht am Ende des Tunnels“
Kann das wirklich alles sein?
Was klar bleibt ist: Wir können nicht ‚Ja!‘ sagen zum Status Quo,
einer Welt in der täglich Menschen verhungern, obdachlos werden,
zugerichtet und eingerichtet werden in eine Apparat der Verwaltung/Kontrolle.
Wir wollen nicht länger warten:
Alltäglich spüren wir diese Brüche…
…Widersprüche…
…den Aufschrei eines ganz Anderen; dem besseren Leben.
Ausbrechen aus dem Loop, den ewigen Kreislauf  unterbrechen.
Den Schleier durchbrechen, die Widersprüche erkennen und die falsche Illusion verstehen.
Wir sind Gefangene in unserem eigenen Gefängnis aus Gedanken
und die Wärter_innen; sind wir selbst.
Lasst uns versuchen auszubrechen;
uns selbst austricksen,
damit Wünsche real werden.
Wir wollen nicht länger bei diesem Spiel mitmachen: ‚Wir gegen Die‘ ist Geschichte!
Deshalb haben wir keine Forderungen,  nicht weil wir über die ‚Macht‘ nichts zu  sagen hätten, sondern weil  wir mit dem bestehenden Machtkreislauf  brechen wollen, ‚we won’t represent‘!
Solidarisch, bunt, lebendig, kreativ & kritisch:
Tanzend wollen wir die Welt verändern.
Räume öffnen, andere Realitäten denkbar machen.
1 Gemeint ist die Ideologie der bürgerlichen Kunst; welche sich als unabhängig Verstand, allein sich selbst gegenüber verpflichtet.
2 Die Grenze des guten Geschmacks verläuft dabei nicht zwischen den „Genres“, sondern zwischen progressiver und regressiver Kunst!
(I) Das ist das ivi: vieles.
Das ivi ist ein seit 2003 besetztes, ehemaliges Universitätsinstitut. Im Rahmen des Bildungsstreiks wurde dieses leerstehende Gebäude als ein Ort ausgewählt, an dem Kritik theoretisch und praktisch aufgearbeitet werden kann, an dem mensch wilde Parties feiert, ohne Rumgemacker, Sexismus und Rassismus. Das „irrelevante“ Institut sollte seinen Fokus auf Themen legen, die im Normalvollzug untergehen; auf Gentrifizierung, die kritische Wissenschaft, das tagespolitische Geschehen und die Auseinandersetzung mit niemals Vergessenem.
Im ivi wurde Theater gespielt, Lesekreise und hitzige Diskussionen gführt, auf Liegestühlen rumgefläzt, geschimpft und Nächte verbracht. Mit den Jahren wurde das letzte besetzte Universitätsinstitut Deutschlands eine autonome Kulturwerkstatt und ein offenes Wohnprojekt. Hier konnten unterschiedlichste Menschen gemeinsam arbeiten, lernen, lieben, feiern und leben. Wir sind eine diversifizierte Assoziation für das Andere, Alterität die sonst keinen Platz hat. Wir lieben das ivi. So einfach ist das.
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Ein Kommentar zu “7.7 IVI Sommerfest

  1. Pingback: ivi - institut für vergleichende irrelevanz » Sommer in Frankfurt 2012

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